WALTER SCHEEL

 

Walter Scheel wurde am 8. Juli 1919 in Solingen geboren.

 

Nach dem Abitur absolvierte er eine Banklehre. Im Zweiten Weltkrieg war er bis 1945 als Oberleutnant der Luftwaffe eingesetzt. Anschließend arbeitete er in der Stahlwarenfabrik des Vaters seiner ersten Ehefrau Eva, ab 1953 als selbstständiger Wirtschaftsberater in Düsseldorf. 1958 wurde er Geschäftsführer der von ihm mitgegründeten "Interfinanz GmbH".

 

Seine politische Karriere begann Walter Scheel 1946 durch seinen Beitritt zur FDP. Zunächst wirkte er als Stadtverordneter in Solingen, anschließend als Landtagsabgeordneter in Nordrhein-Westfalen, bis 1974 als Bundestagsabgeordneter, zwei Jahre lang auch als Vizepräsident des Deutschen Bundestages. Parallel dazu gehörte er zunächst zwei Jahre lang der Gemeinsamen Versammlung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl an und von 1958 bis 1961 dem Europaparlament. 1961 wurde er der erste Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und blieb dies auch in den Kabinetten Erhard.

 

1968 übernahm Walter Scheel den Vorsitz der FDP.

 

In der sozialliberalen Koalition ab 1969 war er als Außenminister auch für die umstrittene Ostpolitik und den deutsch-deutschen Grundlagenvertrag verantwortlich.

 

Weitreichende Prominenz erlangte er 1973, indem er für die Aktion Sorgenkind das Lied "Hoch auf dem Gelben Wagen" auf Schallplatte sang. Allein bis zum Frühjahr 1974 wurde die Platte über 300.000 Mal verkauft.

 

1974 wurde Scheel zum - bis heute jüngsten - Bundespräsidenten gewählt. Seine Präsidentschaft zeichnete sich bei allem Drang zu klaren Worten immer durch sein Streben nach Ausgleich aus. Er setzte sich für mehr soziale Mitwirkungsrechte der Bürger ein. Oft wandte Scheel sich in seinen Reden an die jungen Menschen, die er zum Engagement ermutigte, aber auch ermahnte, aus den Verfehlungen der älteren Generationen ihre Lehren zu ziehen.

 

Bemerkenswert ist seine Rede von 1976, in der er Richard Wagner gleichberechtigt in eine Reihe anderer bekannter Komponisten des ausgehenden 19. Jahrhunderts einordnete. Vor der versammelten Bayreuther Festspielgesellschaft wies er darauf hin, dass die Deutschen gelernt haben sollten, sich weder einem Mann, einem Werk oder einer Nation völlig zu unterwerfen, und erteilte damit dem Wagner-Mythos eine klare Absage.

 

Außenpolitisch betonte er immer wieder die Bedeutung eines geeinten Europas für den Erhalt von Frieden und Demokratie.

Nach dem Ende seiner Amtszeit war und blieb Scheel bis heute gesellschaftlich aktiv, hat eine Vielzahl von Ehrenämtern inne und gehört verschiedenen Gremien an.

 

Walter Scheel ist evangelisch. Am 2. September 1966 starb nach 24-jähriger Ehe seine erste Frau Eva Charlotte, geb. Kronenberg. 1969 heiratete er die Röntgenologin Dr. Mildred Wirtz, die später die Deutsche Krebshilfe ins Leben rief. Mildred Scheel starb am 13. Mai 1985. Walter Scheel hat vier Kinder.

 

1988 heiratete er Frau Barbara Wiese. 

 

(aus www.bundespraesident.de)